Kinderlieder zum Mitmachen sind Lieder, bei denen Kinder gleichzeitig singen und sich bewegen, also klatschen, hüpfen oder eine kleine Rolle spielen. Das macht Kindern großen Spaß und tut zugleich ihrer Entwicklung gut. Vom kurzen Fingerspiel bis zum großen Kreistanz ist für jedes Alter etwas dabei.
Wenn du mit einer Kindergruppe arbeitest oder zu Hause Schwung in den Nachmittag bringen willst, kennst du das Problem: Kinder sitzen nicht gern lange still. Genau da helfen Mitmachlieder. Sie geben der Bewegungslust eine klare Richtung, und du brauchst dafür weder teures Material noch eine Bühne.
Kinder machen dann am liebsten mit, wenn ein Lied klar vorgibt, was Hände und Füße tun sollen. Die folgende Auswahl setzt genau darauf.
14 beliebte Bewegungs- und Mitmachlieder mit klarer Anleitung, wie jedes Lied gespielt wird.
Kinder, die singen und sich bewegen, tun ihrer Entwicklung nachweislich gut.
Im Morgenkreis und zu Hause setzt du die Lieder mit festen Ritualen ein.
Rasseln und Trommeln bastelst du in wenigen Minuten aus einfachen Alltagsdingen.
Welche Bewegungslieder bringen den ganzen Körper in Schwung?
Am schnellsten wird eine Gruppe munter, wenn zu jedem Wort eine Geste gehört. Die Kinder stehen im Kreis oder verteilt im Raum und machen einfach nach, was gerade gesungen wird. Vorzeigen und Mitmachen genügt, ganz ohne Text und Noten.
„Kopf und Schultern, Knie und Fuß": Die Kinder tippen beim Singen der Reihe nach die besungenen Körperteile an, von Kopf und Schultern bis zu Knie und Fuß. Mit jeder Strophe steigt das Tempo, bis alle kichernd durcheinanderkommen.
„Ich bin der kleine Hampelmann": Wie eine Hampelfigur bewegen die Kinder Arme und Beine nach oben und zur Seite, dazu ein rhythmisches „klipp, klapp". Mit den Kleinsten klappt das auch im Sitzen auf dem Schoß.
„Wenn du glücklich bist": Jede Strophe nennt eine neue Bewegung, vom Klatschen über das Stampfen bis zum lauten „Hurra". Zum Schluss macht ihr alle Bewegungen am Stück, und genau das fordert Konzentration und Gedächtnis.
„Zeigt her eure Füße": Hier spielen die Kinder die Arbeit der Waschfrauen nach und machen alle Handgriffe vom Waschen bis zum Bügeln in der Luft mit. Die letzte Strophe „sie ruhen" wird ganz leise und langsam gesungen und bringt die Gruppe zum Abschluss zur Ruhe.
„Grün, grün, grün sind alle meine Kleider": Alle stehen im Kreis, und wer gerade etwas in der besungenen Farbe trägt, hüpft und tanzt in der Mitte. Nebenbei lernen die Kinder Farben und alte Berufe wie Jäger oder Schornsteinfeger kennen.
Wer eine fertige Choreografie sucht, findet für „Ich bin der kleine Hampelmann" eine komplette Bewegungsvorlage beim Schweizer Kindersportprogramm, an der du dich ohne Vorbereitung orientieren kannst.
Praxis-Tipp: Viele dieser Lieder werden von Strophe zu Strophe schneller. Starte bewusst langsam. So kommen auch die Kleinsten mit, und die Steigerung am Ende wird zum Höhepunkt.
Kreisspiele: Lieder, bei denen die Gruppe zusammen tanzt
Bei einem Kreisspiel läuft alles nach einer festen Ordnung ab. Alle fassen sich an den Händen und drehen sich gemeinsam im Kreis, oft mit einem Wechsel in die Hocke. Gerade schüchternen Kindern gibt das Halt, weil jeder sieht, was als Nächstes kommt.
„Laurentia, liebe Laurentia mein": Die Kinder bilden einen Kreis und gehen bei jedem „Laurentia" und jedem Wochentag gemeinsam in die Hocke. Das schon seit 1843 überlieferte Lied wird von Strophe zu Strophe schneller und wirkt am Ende wie ein kleines Kniebeugen-Workout.
„Ich bin ein dicker Tanzbär": Ein Kind tanzt als Bär in der Mitte, deutet den dicken Bauch an und sucht sich einen Freund aus. Beide wippen von einem Bein aufs andere, bis nach und nach die ganze Gruppe mittanzt.
„Häschen in der Grube": Ein Kind hockt als schlafendes Häschen in der Mitte, die anderen ziehen singend im Kreis. Bei „Häschen hüpf!" springt es auf und sucht sich einen Nachfolger. Das Spiel geht auf den Pädagogen Friedrich Fröbel zurück.
„Brüderchen, komm tanz mit mir": Zu zweit gehen die Kinder zwei Schritte vor und wieder zurück, drehen sich einmal im Kreis und beenden jede Strophe mit Klatschen und Stampfen. Bekannt wurde das Lied durch die Märchenoper „Hänsel und Gretel" von 1893.
„Das Katzentatzentanzspiel" von Fredrik Vahle: Die Katze tanzt zuerst allein auf einem Bein, dann bitten nach und nach andere Tiere wie der Igel und der Dackel um ihre Tatze. Am Ende tanzen alle gemeinsam im Kreis, ein wunderbares Rollenspiel für etwas größere Kinder.
Fredrik Vahle gilt als „Vater des neuen deutschen Kinderlieds", und sein Katzentatzentanzspiel lebt davon, dass jedes Kind einmal eine Rolle übernehmen darf. Wer möchte, verteilt die Tierrollen vorher, so weiß jeder, wann sein Auftritt kommt.
Fingerspiele für kleine Hände: „Zehn kleine Zappelmänner" und mehr
Fingerspiele brauchen keinen Platz und funktionieren überall, ob im Sitzkreis oder beim Warten an der Bushaltestelle. Die Kinder erzählen mit ihren Händen eine kleine Geschichte und trainieren dabei ganz nebenbei die Feinmotorik.
„Zehn kleine Zappelmänner": Die zehn Finger zappeln hin und her, auf und nieder und im Kreis herum, verschwinden hinter dem Rücken und kommen mit einem lauten „Hurra" wieder hervor. Schon ab etwa zwei Jahren machen Kinder begeistert mit.
„Fünf kleine Fische": Die Finger sind die Fische, die im Meer schwimmen, bis die Hände als Haimaul zuschnappen. Bei „ach du Schreck" fasst man sich erschrocken an den Mund, und pro Runde schwimmt ein Fisch weniger mit.
„Mein Hut, der hat drei Ecken": Jedem Schlüsselwort ist eine Geste zugeordnet, etwa auf sich zeigen bei „mein" oder an den Kopf fassen bei „Hut". Nach und nach fallen die Wörter weg und werden nur noch gezeigt, immer schneller.
„A ram sam sam": Bei diesem Lied klatschen die Kinder auf die Oberschenkel und kreisen die Fäuste umeinander, bevor die Arme in die Höhe schießen. Wiederholt wird das Ganze von Runde zu Runde schneller. Besonders zu Fasching ist der Ohrwurm aus Marokko sehr beliebt.
Was bringen Kinderlieder zum Mitmachen für die Entwicklung?
Kinder, die beim Singen in Bewegung sind, lernen mit dem ganzen Körper. Text und Bewegung kommen im selben Moment rein, und deshalb bleibt beides richtig gut hängen. Ganz nebenbei trainieren die Kinder Motorik und Konzentration.
Bewegung fehlt vielen Kindern im Alltag. Nur etwa ein Viertel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland erreicht die empfohlenen 60 Minuten Bewegung am Tag, und laut einer Bestandsaufnahme des Bundesgesundheitsministeriums bleibt bei den Vier- und Fünfjährigen sogar mehr als die Hälfte unter der WHO-Marke von 180 Minuten. Mit Bewegungsliedern bekommst du die Kinder ganz nebenbei von den Stühlen.
Gemeinsames Musizieren schweißt außerdem zusammen. In einer Leipziger Studie mit Vierjährigen zeigte sich, dass die Kinder, die vorher gemeinsam gesungen und getanzt hatten, hinterher deutlich häufiger halfen und kooperierten.
Was steckt hinter dem Begriff Embodiment? Gemeint ist Lernen über den Körper. Wer sich beim Singen bewegt, aktiviert mehrere Hirnbereiche zur selben Zeit und vernetzt sie stärker miteinander.
Schon früh sind Kinder empfänglich für Musik. Mit etwa neun Monaten reagieren Babys auf Tempo und Tonhöhe, das Rhythmusgefühl kommt ab dem dritten Lebensjahr dazu. Rhythmus und Reim stärken zusätzlich das phonologische Bewusstsein, also das Gespür für die Laute der Sprache, das später beim Lesen- und Schreibenlernen hilft. Schon das Orff-Schulwerk von Carl Orff hat Bewegung und Musik ganz bewusst zusammengebracht, und die musikalische Früherziehung baut bis heute darauf auf.
Wie setzt du Mitmachlieder im Morgenkreis und zu Hause ein?
Am besten funktionieren Mitmachlieder mit festen Ritualen. Ein gleichbleibendes Begrüßungslied zu Beginn signalisiert der Gruppe, dass es jetzt losgeht. Ein Lied wie „Hallo, hallo, schön, dass du da bist" eignet sich dafür gut, weil sich jedes Kind persönlich angesprochen fühlt.
Der Morgenkreis dauert in den meisten Kitas 10 bis 15 Minuten, in Krippengruppen eher 5 bis 10. Wiederhole dieselben Lieder ruhig oft, denn gerade jüngere Kinder lieben das Vertraute und trauen sich mit jeder Runde ein Stück mehr zu. Eine Rassel oder eine kleine Handtrommel gibt dem Ganzen zusätzlich Struktur. In unserem Kinderliederbuch stehen zu vielen Titeln fertige Mitmach-Anleitungen und Ausmalbilder, die den Einstieg leichter machen.
Faustregel für die Dauer: Plane für Ü3-Gruppen 10 bis 15 Minuten ein, für U3-Kinder 5 bis 10. Beende die Runde, solange die Kinder noch begeistert dabei sind, dann freuen sie sich aufs nächste Mal.
Bei U3-Kindern reichen einfache Gesten im Sitzen und viel Wiederholung. Ältere Kinder haben Freude an Kreisspielen mit verteilten Rollen und an Liedern, die schneller werden. Zu Hause braucht es noch weniger Aufwand: Ein Lied vor dem Aufräumen oder unterwegs im Auto holt schon Bewegung in den Tag.
Über das Jahr kommen saisonale Mitmachlieder dazu, etwa Laternenlieder im November oder ruhige Winterlieder im Advent, die in einem Liederbuch für die Weihnachtszeit versammelt sind.
Wie bastelst du Rassel und Trommel für die Musikrunde?
Für Bewegungslieder genügen ganz einfache Instrumente. Eine Rassel und eine Trommel entstehen in wenigen Minuten aus Alltagsdingen, und beide geben den Liedern einen kräftigen, gut hörbaren Rhythmus.
Rassel aus einer Papprolle
Am einfachsten gelingt die Rassel aus einer leeren Klopapierrolle oder aus zwei Schraubglas-Deckeln. Wie kräftig sie klingt, hängt vom Füllmaterial ab, zum Beispiel von Reis oder getrockneten Erbsen.
Ein Ende der Papprolle mit etwas Papier verschließen und festkleben.
Eine Handvoll Reis, getrocknete Erbsen oder Büroklammern hineingeben.
Das zweite Ende zukleben und die Rolle bunt bemalen oder bekleben.
Trommel aus einer Konservendose
Für eine Trommel brauchst du nur eine leere Konservendose und einen Luftballon. Eine ausführliche Upcycling-Anleitung für die Dosentrommel zeigt jeden Schritt im Detail.
Den Hals des Luftballons abschneiden.
Den Rest straff über die entgratete Dosenöffnung spannen.
Für Rasselklang etwas Reis hineingeben und mit Holzstäbchen trommeln.
Sicherheit zuerst: Klebe die Schnittkanten der Dose gut ab, bevor Kinder mittrommeln. Kleinteile wie Büroklammern gehören bei den Jüngsten nur unter Aufsicht in die Rassel.
Zu vielen Liedern gibt es außerdem passende Ausmalbilder für ruhige Bastelphasen, mit denen sich die wilde Bewegungsrunde und eine entspannte Malzeit gut abwechseln.
Wie deine Mitmachrunde lebendig bleibt
Ein großer Vorteil dieser Lieder ist, dass sie mit den Kindern mitwachsen. Dasselbe „A ram sam sam" funktioniert mit Zweijährigen im Sitzen genauso wie mit einer wilden Vorschulgruppe, du passt einfach Geschwindigkeit und Rollen an das Alter an.
Fang mit zwei oder drei Liedern an, die du selbst gern singst, und wiederhole sie so lange, bis sie sitzen. Deine Begeisterung springt auf die Kinder über, und plötzlich wollen alle mitmachen.
Erweitere das Repertoire dann Schritt für Schritt um ein neues Fingerspiel oder ein weiteres Kreisspiel. Nach ein paar Wochen habt ihr eure eigenen Lieblingslieder, die in jeder Runde ziehen.
Häufige Fragen zu Kinderliedern zum Mitmachen
Ab welchem Alter eignen sich Kinderlieder zum Mitmachen?
Schon Babys ab etwa neun Monaten reagieren auf Tempo und Tonhöhe, und ab dem dritten Lebensjahr entwickelt sich das Rhythmusgefühl. Einfache Fingerspiele wie „Zehn kleine Zappelmänner" machen Kinder oft schon ab zwei Jahren begeistert mit. Größere Kreisspiele passen besser ab dem Kindergartenalter.
Wie lange sollte eine Mitmachrunde im Morgenkreis dauern?
Rechne mit 10 bis 15 Minuten für Kindergartengruppen, in der Krippe eher mit 5 bis 10 Minuten. Achte vor allem auf den richtigen Moment zum Aufhören und beende die Runde, solange die Kinder noch begeistert dabei sind. So bleibt die Vorfreude auf das nächste Mal erhalten.
Welche Bewegungslieder passen gut zu Fasching?
„A ram sam sam" ist der Klassiker für Fasching und Karneval. Das marokkanische Bewegungslied lebt vom Klatschen und von kreisenden Fäusten und lässt sich beliebig schneller oder leiser gestalten. Auch „Ich bin ein dicker Tanzbär" und „Grün, grün, grün sind alle meine Kleider" sorgen in der närrischen Zeit für Stimmung.
Braucht man für Mitmachlieder Instrumente?
Nein, für die meisten Mitmachlieder reicht der eigene Körper völlig aus. Klatschen und Stampfen sind die wichtigsten Instrumente, die Kinder ohnehin immer dabeihaben. Eine selbst gebastelte Rassel oder Trommel macht den Rhythmus aber noch deutlicher und hilft besonders in größeren Gruppen, das Tempo gemeinsam zu halten.
Welches Lied eignet sich zur Begrüßung einer Kindergruppe?
Nimm „Hallo, hallo, schön, dass du da bist", denn dabei fühlt sich jedes Kind persönlich angesprochen. Als festes Ritual zu Beginn gibt es der Gruppe Sicherheit und Struktur. Danach bringt ein Bewegungslied wie „Ich bin ein dicker Tanzbär" schnell frischen Wind in die Runde.